Der Blick auf die Krankheit Brustkrebs hat sich verändert

Brustkrebs ist nicht zuletzt Dank des Engagements von Patientinneninitiativen und ExpertInnen seit geraumer Zeit ein Thema öffentlicher Auseinandersetzungen. Kaum ein anderes Krankheitsbild hat es vermocht, so viel Licht in die Versorgungsrealität der betroffenen Frauen zu werfen, mehr Sensibilität für die Bedarfe von Frauen zu wecken und nicht zuletzt erheblichen Handlungsbedarf für eine verbesserte ganzheitliche interdisziplinäre Brustkrebsversorgung zu fordern.

Betroffene Frauen haben sich öffentlich Gehör verschafft. Selbsthilfegruppen haben gefordert, Patientinnen in die Therapieplanung mit einzubeziehen und sie respektvoll zu begleiten. Auch die medizinische Forschung braucht die Erfahrungen der betroffenen Frauen.

Seit der Etablierung von Brustzentren und die Einführung von strukturierten Behandlungsplänen ist eindeutig eine Verbesserung der Brustkrebsversorgung erkennbar. Auch hier in Salzburg werden betroffene Frauen stationär und ambulant in einem Brustzentrum hervorragend betreut, in dem interdisziplinär mit sieben Abteilungen zusammengearbeitet wird.

Prävention, Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge bei Brustkrebs erfordern eine umfassende interdisziplinäre Betreuung, sowie Behandlungspläne, abgestimmt auf die individuelle Krankheitssituation jeder einzelnen Frau. Den spezifischen Belangen der Frauen ist durch angemessene Information und Beratung Rechnung zu tragen. Dies schließt auch qualifiziert psychosoziale Angebote mit ein. Die österreichische Krebshilfe unterstützt Frauen in diesen Belangen.

Die Brust ist aber auch Symbol weiblicher Identität, Stärke und Lust.

Im öffentlichen Bewusstsein ist die Brust vorwiegend als Lustobjekt präsent, die angeblich zu kleine oder zu große Brust und die Brust als ein Organ in dem eine lebensbedrohliche Erkrankung lauern kann. Die Folge ist, dass viele Mädchen und Frauen ihre Brust mit Angst und Unzufriedenheit wahrnehmen oder gar ablehnen – was dem Geschäft  mit Schönheitsoperationen dient. Frauengesundheitszentren wie das Frauengesundheitszentrum Salzburg haben sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen und Frauen in ihrem selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang mit ihrer Brust, ihrer Körperlichkeit, ihrer Eigenkompetenz und Sexualität zu stärken.

Leider muss man auf die Frage, ob Brustkrebs vermeidbar ist mit nein antworten. Mammografie schützt nicht vor Brustkrebs, aber sie kann ihn vielleicht in einem so frühen Stadium aufspüren, in dem er noch keine Tochtergeschwülste gestreut hat und somit nicht das Leben der Frau gefährdet. Wichtig ist das Frauen, auch wenn sie regelmäßig zur Mammografie gehen, weiterhin ihre Brust aufmerksam beobachten sollten. Schließlich können Veränderungen am eigenen Leib am schnellsten von der Frau selbst wahrgenommen werden.

Eine Prävention im Sinne der Verhinderung von Brustkrebs ist daher nicht möglich. Aber im Sinne einer Gesundheitsförderung wäre es nicht gut mit Panik und Angst zu reagieren. Der Wunsch verunsicherter Frauen ist, handlungsfähiger zu werden und aktiv mit ihrer Unsicherheit umzugehen. Die wichtigste Botschaft ist:

Die überwiegende Mehrzahl der Frauen erkrankt nicht an Brustkrebs und die überwiegende Mehrzahl der erkrankten Frauen wird heute nicht mehr an Brustkrebs sterben.

Als Risikofaktoren wurden Alter, Vererbung, Hormone, Strahlung, Umweltfaktoren, Arbeits- und Lebensweise identifiziert.

Wir können aber auch aktiv etwas für unsere Gesundheit tun.

Als Schutzfaktoren gelten die Ernährung, die Bewegung, eine stressfreie Lebensführung, sinnstiftende Lebenskonzepte und ein gutes soziales Umfeld wie Familie, Freunde, nachbarschaftliche Kontakte etc. Nicht zu vergessen ihre Busenfreundin, mit der sie vielleicht heute abend hier sind.

Immer mehr wird die Eigenverantwortung von  Gesundheit in den Vordergrund gerückt. Wir können einiges für unsere Gesundheit tun. Solange wir die genauen Ursachen von Brustkrebs nicht kennen, können wir aktive etwas tun in unserer Lebensgestaltung; ob und bei wem der Brustkrebs dadurch vermieden wird, bleibt offen.

Es ist heute unstrittig, dass Glück, Freude, Humor, kulturelle Aktivitäten etc. sich positiv auf Gesundheit auswirkt. Der heutige Abend versteht sich als „Schutzfaktor", als Informationsabend, der die gesundheitsfördernden Anteile in den Fordergrund rückt.

Politische Forderung

Ein lebensweltbezogenes Verständnis von Gesundheit und Krankheit beinhaltet, die enge Beziehung zwischen den Arbeits- und Lebensbedingungen der Frauen, ihrem Gesundheitszustand und ihrem Versorgungsbedarf zum Kern der Diskussion zu machen. Ressourcen und Belastungen von Frauen bestimmen gemeinsam ihr Wohlbefinden, ihren Gesundheitszustand und ihre Gestaltungsfähigkeit.

Eine Gesundheitsreform muss daher besonders die Auswirkungen auf Frauen berücksichtigen, die ohnedies aufgrund ihrer durchschnittlich geringeren Einkommenssituation, manche Leistungen nur begrenzt in Anspruch nehmen können.

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