Eine Rückschau auf 25Jahre Arbeit in der Frauengesundheit (von Aline Halhuber-Ahlmann)


Für uns gilt in Anlehnung an Freud: "Gesundheit ist die Fähigkeit lieben, arbeiten und sich entwickeln zu können" – daran orientieren wir uns. Frauengesundheit hat immer die individuelle einzelne Frau, das Mädchen im Fokus. Aber auch die Rahmenbedingungen, in denen Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft leben, sind wichtig. Wir bemühen uns mit unseren Angeboten die einzelnen Frau dabei zu unterstützen lieben, arbeiten und sich entwickeln zu können. Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit sind wichtige individuelle, aber auch gesellschaftliche Faktoren für Gesundheit.

Mit Wissen, Beratungen, Gesprächsrunden und Workshops wollen wir Frauen und Mädchen ermächtigen zu einer guten Gesundheit zu finden – allerdings gibt es gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die das schwer machen und auch diese wollen wir verbessern. Als "zertifizierte Nervensäge" quälte ich so manche Sitzungsteilnehmer*innen, aber wer, wenn nicht wir, soll darauf aufmerksam machen, was Frauen besonders, anders und oft eben  "kränkend" erleben. Als das  Frauengesundheitszentrum vor 25 Jahren anfing, gab es noch deutlich mehr äußere Feinde: Die Medizin, die sich nur am Mann als Norm orientierte, sehr polarisierende Rollenerwartungen an Frauen und Mädchen, deutlich weniger Möglichkeiten sich informiert zu entscheiden, keinen einfachen Zugang zu Verhütungsmittel (leider sind sie immer noch nicht kostenlos)… um nur einige zu nennen – da hat es wirklich viele Verbesserungen  gegeben.

Wir bemerken, dass es heute aber die vermeintlich individuellen und verinnerlichten Ansprüche und auch Beschränkungen sind, die Frauen krank machen. Gegen diese moralische Selbstverpflichtung zur Selbstoptimierung in allen Lebensbereichen ist leider kein Heilkraut gewachsen. Bewundernswert ist, welch unglaubliche Kraft und Ressourcen Frauen oft entwickeln, wenn es gilt den heftigen Stürmen des Lebens zu trotzen. Manchmal erlauben sie uns, sie dabei zu unterstützen.
Dass Krankheit auch gesellschaftlich zunehmend zum individuellen "Fehler" gemacht wird, trägt nicht zur Gesundung bei. Unsere Arbeit wird nicht weniger werden, auch wenn sich die Themen ändern. Hoffen wir darauf, dass es auch in 25 Jahren noch ein Frauengesundheitszentrum Salzburg gibt!

 

(Foto: Andreas Kolarik, 24.05.2019)